Sport-Snacking – der einfache Weg zu mehr Bewegung und Asthma-Kontrolle

Asthma | 06.05.2022

Regelmäßige Bewegung ist sinnvoll, steigert die Grundfitness und verbessert die Asthma-Kontrolle. Welche Auswirkungen Sport auf die Lungengesundheit hat, und wie sich mehr Bewegung in den Alltag bringen lässt, erläutert der renommierte finnische Professor für Sport- und Bewegungsmedizin Jari Parkkari.

imagerevup.png

Jari Parkkari

Professor für Sport und Bewegungsmedizin an der Universität von Jyväskylä, Finnland

 
Aus wissenschaftlicher Sicht sind die Vorteile von regelmäßiger Bewegung unumstritten. Bereits mäßige körperliche Aktivität kann nicht nur Schmerzen lindern und den Blutzucker senken, sondern auch die Asthma-Kontrolle verbessern sowie die Kurzatmigkeit verringern. Bei sportlicher Bewegung im aeroben Bereich wird die Energie unter Verwendung von Sauerstoff generiert. Denn aerobe Bewegung erfolgen in einem niedrigen Leistungsbereich, und diese moderate Belastung führt zu einer sukzessiven Leistungssteigerung, ohne den Körper massiv zu strapazieren. Für Menschen mit Asthma ist das eine sehr gute Möglichkeit, sich fit zu machen. Einer kanadischen Studie zufolge verbesserte sich die aerobe Fitness der Asthma-Patient:innen, die an einem 12-wöchigen Trainingsprogramm teilnahmen, signifikant. Darüber hinaus stieg ihre Lebensqualität an, und der Bedarf an Asthma-Notfallmedikamenten ging zurück. „Wir wissen, dass die Asthma-Kontrolle durch eine gute aerobe Fitness verbessert wird“, so Jari Parkkari.

Wieviel sportliche Bewegung ist notwendig, damit man einen merklichen Unterschied in der eigenen Asthma-Situation verspürt? „Es gibt internationale Empfehlungen für körperliche Aktivität, die besagen, dass sich Erwachsene pro Woche 2,5 bis 3 Stunden leicht bis mäßig körperlich betätigen sollten“, so Parkkari. „Das gilt auch für Asthma-Patienten und -Patientinnen. Und gleichzeitig ist das nur das unterste Level auf der Bewegungsskala.“ Wer sich Gutes tun möchte, kommt stärker in Bewegung, ohne die eigene Belastungsgrenze zu überschreiten. Sehr gut geht das mit fest geplanten täglichen Workouts, oder indem über den Tag verteilt viele kleine „Bewegungsportionen“ aufsummiert werden. Diese Technik bezeichnet Parkkari als „Snacking“. „Körperliche Aktivität kann auf vielfältige Weise ausgeübt werden, zum Beispiel indem man den Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegt. Insbesondere in den heutigen Zeiten, in denen viele Menschen von zu Hause ausarbeiten, ist es hilfreich, das lange Sitzen durch kurze intensive Bewegungseinheiten aufzulockern. Denn sitzende Tätigkeiten sind unabhängig von Asthma ein Risikofaktor für die Gesundheit“, sagt Parkkari.

 
Mit vielen kleinen Sport-Häppchen wird‘s leichter. Bewegung über den Tag verteilt snacken!

Der positive Effekt von kleinen Bewegungseinheiten zwischendurch summiert sich im Laufe des Tages auf und kann den Ergebnissen von Ausdauertrainingseinheiten sehr nahekommen. Es gibt jedoch eine Reihe weiterer Möglichkeiten, aerobes Training in den Tagesablauf zu integrieren. Wer übergewichtig ist oder mit schmerzhaften Muskel-Skelett-Erkrankungen zu tun hat, ist mit einem Indoor-Bike oder Schwimmen sehr gut beraten, da man hierbei nicht das eigene Gewicht tragen muss. Wer sich auf diese Art und Weise mehr bewegt, kann auch von weiteren Vorteilen profitieren, wie zum Beispiel einem niedrigeren Blutdruck und weniger Schmerzen.
 

Warmhalten, wenn es draußen kalt ist!

Für diejenigen, die sich am liebsten das ganze Jahr über im Freien aufhalten, bieten Wandern oder Nordic Walking sehr gute Möglichkeiten für sportliche Betätigung und Fitness. Diese Sportarten eignen sich auch gut für Anfänger und können ebenso im Winter ausgeübt werden. Die stetig gleichbleibende Belastung bei diesen Bewegungsarten vertragen Menschen mit Asthma in der Regel sehr gut. Parkkari weist darauf hin, dass kalte Luft die Atemwege austrocknen und so eine Verengung der Atemwege auslösen kann. Er empfiehlt, die Atemwege zu schützen, indem man den Mund zum Beispiel mit einer Maske oder einem warmen Schal bedeckt. Dadurch wird die eingeatmete Luft erwärmt, was einer bronchialen Verengung entgegenwirkt. In ähnlicher Weise kann eine schützende Mund-Nasen-Bedeckung auch in anderen Jahreszeiten hilfreich sein, wenn beispielsweise Pollen oder andere Allergene Atemwegsprobleme bereiten.
 

Darauf sollten man beim Sport achten!

Wenn man Sport in den Tagesablauf integrieren möchten, ist es wichtig, dass man zunächst mit dem Arzt bzw. der Ärztin spricht und sich an den Behandlungsplan hält. Denn um Atemnot und akute Asthma-Anfällen vorzubeugen, sollte die Medikation gut eingestellt sein, sodass dann auch beim Sport keine Asthmabeschwerden auftreten. Parkkari rät dazu, beim Sport im Freien den Inhalator immer dabei zu haben, wenn ein solches Gerät verschrieben wurde. Um eine Atemwegsverengung schon im Vorfeld zu verhindern, kann man den Inhalator, der bei Bedarf angewendet sollen, bereits vor dem Sport verwenden, erklärt Parkkari.

Wenn man die Bedarfsmedikation allerdings häufig beispielsweise im Rahmen des Sportes benutzen muss, kann das auch ein Zeichen dafür sein, dass das Asthma nicht unter Kontrolle ist. Wenn man sein Asthma gut im Griff hat, sollte es keinen Grund geben, auf irgendeine Art von Sport zu verzichten. Zudem ist es immer ratsam, mit dem Hausarzt/der Hausärztin zu sprechen, wenn man sich bezüglich der Medikamente unsicher ist oder Symptome hat.

Studien haben gezeigt, dass Asthma durch regelmäßigen Sport besser kontrolliert werden kann. Parkkari weist jedoch auch darauf hin, dass es zu viel des Guten geben kann – insbesondere dann, wenn man die persönliche Belastungsgrenze nicht kennt. „Wir führen derzeit eine Studie an professionellen Skifahrer:innen durch und stellen fest, dass die Prävalenz für Asthma mit zunehmendem Training steigt.“ Für die meisten Menschen – für alle, die nicht wie Profisportler:innen weit über 600 Stunden pro Jahr trainieren – sind die Vorteile von Sport jedoch enorm. Somit lässt sich Asthma durch Bewegung zwar nicht wegtrainieren, aber die Atemwege lassen sich immerhin so weit trainieren, dass Asthma besser unter Kontrolle ist und es seltener zu akuten Anfällen kommt.
  

So trainiert man sicher mit einer Asthma-Erkrankung

  • Vor intensiven Trainingseinheiten aufwärmen.
  • Schwimmen ist ein idealer Sport, da er aerob ist und die Brustmuskeln öffnet.
  • Fahrradtour in den Trainingsplan integrieren, wenn Arthroseschmerzen in den Knien und Hüften zu schaffen machen.
  • Trainingstage mit hohem Pollenflug nach Möglichkeit in geschlossene Räume verlagern, wenn diese Symptome auslösen.
  • Nordic Walking kann für den Anfang eine große Wohltat für die Lunge und den Rücken sein, da die Stöcke den Nacken und die Schultern unterstützen.

 

Quellen

Jaakkola, J.J.K., Aalto, S.A.M., Hernberg, S. et al. Regular exercise improves asthma control in adults: A randomized controlled trial. Sci Rep 9, 12088 (2019). https://doi.org/10.1038/s41598-019-48484-8

323. Dogra, J.L. Kuk, J. Baker, V. Jamnik. Exercise is associated with improved asthma control in adults. European Respiratory Journal Feb 2011, 37 (2) 318–323. https://erj.ersjournals.com/content/37/2/318

ORION arbeitet intensiv an der Erforschung und Entwicklung von Behandlungsoptionen für Asthma und COPD. Darüber hinaus werden auch Design und Anwenderfreundlichkeit der Easyhaler-Inhalationsgeräte fortwährend weiterentwickelt. Zu jedem Zeitpunkt stehen Produktsicherheit und Qualität an erster Stelle.

Der verantwortungsvolle Umgang mit natürlichen Ressourcen ist für ORION von größter Bedeutung. Sämtliche soziale, wirtschaftlich und ökologische Aspekte der Nachhaltigkeit werden bei der Planung des Produktlebenszyklus berücksichtigt. So umspannt der Nachhaltigkeitsgedanke den gesamten Prozess – von der Forschung und Entwicklung über die Fertigung und Verwendung des Inhalators durch Patient:innen bis zur Entsorgung des Gerätes.

Den Nachhaltigkeitsbericht 2021 von Orion können Sie hier herunterladen.